Unsere Partei hat in wenigen Monaten schon viel erreicht. Aber die richtige Arbeit beginnt erst jetzt. Nach dem respektablen Wahlergebnis muss unsere Partei nun zeigen, ob sie das Zeug zu einer wirklichen politischen Kraft hat.

Der Wahlkampf ist erst einmal vorbei. Viele von uns müssen sich wieder im “normalen” Leben zurechtfinden. Das gilt nicht nur für unseren Vorsitzenden,  Bernd Lucke, der sich für den Bundestagswahlkampf eine “Auszeit” nehmen konnte und sich nun wieder auf seine Aufgaben als Universitätsprofessor konzentrieren  muss. Auch viele andere Aktivisten auf allen Ebenen unserer Partei  haben Familien, Beruf oder Firma für den Wahlkampf zurückgestellt und müssen jetzt einiges an Arbeit nachholen.  Mit anderen Worten:  Die Partei muss sich an neue Gegebenheiten anpassen.

3438110Von der Piratenpartei lernen

Auch die Piratenpartei hat es in kurzer Zeit geschafft, in kurzer Zeit politischen Einfluss zu gewinnen und sogar in einige Landesparlamente einzuziehen. Wir alle wissen aber, dass die Piraten wohl kaum noch eine dauerhafte, realistische Chance hat, erfolgreich als Partei zu überleben. Deshalb  müssen wir den Status eines “Wahlkamf-Knäuel” , einer engagierten, aber wenig organisierten politischen Wahlkampf-Gruppe, ablegen und uns in die Hierarchien  einer Partei einbringen und einbinden.

Politik beginnt im Kreisverband

Wir haben mehr als 2 Millionen Menschen mit unseren politischen Aussagen erreicht. Ein mehr als respektables Ergebnis, auf das wir alle stolz sein können.  Aber wir wollen ja nicht nur reden, sondern wir wollen ändern, wir wollen Politik für unser Deutschland machen. Und dazu gehört es eben, dass wir in die politischen Gremien einziehen, dass wir politische Verantwortung übernehmen. Und Politik beginnt zu Hause – in der Stadt, im Ort und im Land.  Wir müssen Organisationen schaffen, die als Anlaufstationen für unsere Bürger dienen.  Orts- und Kreisverbände sind unverzichtbar. Wenn es in Ihrer Region noch keine AfD Strukturen gibt: Wenden Sie sich an Ihren Landesverband und gründen Sie einen Orts- oder Kreisverband. Werben Sie Mitglieder, veranstalten Sie Stammtische und erklären Sie den Bürgern, warum eine Alternative auch für die Region unverzichtbar ist. Ja – das ist Politik auf die “harte Tour” – aber die Probleme “vor Ort” sind für viele Bürger oft ebenso wichtig wie die großen Fragen der Bundespolitik. Als “Alternative” können und müssen wir auch hier Antworten finden.

Strukturen sind notwendig.

Eine Partei funktioniert nur dann vernünftig, wenn wir Strukturen schaffen und uns innerhalb der Strukturen bewegen.  Wir müssen lernen, dass nicht jedes Problem vom Bundesvorstand gelöst werden kann.  Wir müssen unsere Meinungsverschiedenheiten auf demokratische Weise und vor allen Dingen parteiintern, fair und ohne persönliche Konrad_Adam,_Frauke_Petry_und_Bernd_Lucke_2013Angriffe lösen. Auf den Sitzungen der Kreisverbände, auf Landes- oder Bundesparteitagen – notfalls über die Schiedsgerichte – nicht jedoch über Rundmail, Facebook oder vergleichbare Medien.   In der Politik zählt nicht derjenige, der am lautesten ruft, einen grossen E-Mail-Verteiler besitzt oder am meisten Facebook “Likes” bekommt. Politik bedeutet, dass man Mehrheiten beschafft, selber politische Verantwortung übernimmt und Parteimitglieder von der eigenen Meinung oder der eigenen Person überzeugt. Das bedeutet natürlich auch, dass wir politische Aussagen unserer Führungskräfte und Funktionäre respektieren, auch wenn sie möglicherweise nicht der eigene Sichtweise entsprechen.  Eine Partei (siehe Piraten) kann nicht funktionieren, wenn Funktionäre nicht im Namen der Partei (oder der Strukturen) sprechen, handeln dürfen oder können.

Die Zukunft:

Ich bin, ehrlich gesagt, etwas besorgt und frage mich, ob wir die notwendige Disziplin besitzen, um unsere Partei in die nächste Wachstumsstufe zu überführen. Schaffen es die Vertreter der unterschiedlichen Strömungen,  zum Wohle Deutschlands und unserer Partei ihre jeweiligen Ambitionen zurückzustellen? Oder werden die Spalter, die Ichlinge, die ewigen Rechthaber unsere Partei in einer Konfrontation führen, in der niemand gewinnen kann? Bernd Lucke hat gesagt, dass wir nur gemeinsam stark genug sind, unsere Partei dauerhaft  zu etablieren. Eine Bürgerpartei der Mitte lebt vom Wettbewerb der Ideen – aber nicht vom Festhalten an Ideologien.

Wer politische Philosophien über Lösungen oder die Person über  die Partei stellt, wer sich den Hierarchien entzieht oder eigene Spielregeln definiert – der schadet der Partei und sollte seine Mitgliedschaft in der Alternative für Deutschland überdenken.

 

2 Thoughts on “Politik beginnt im Kreisverband

  1. Stephan Schmidt on October 8, 2013 at 4:22 am said:

    Liebe Michaela. Ich stimme absolut zu. Und ich appelliere umgekehrt an den Bundesvorstand, dass er die innere Autonomie der Landes-, Bezirks-, und Kreisverbände akzeptiert und als Bereicherung unserer politischen Arbeit ansieht. Ich sehe auch hier noch notwendige Lernprozesse von denen ich mir aber sicher sind, dass wir sie bewältigen können.

  2. Stephan Lahl on November 5, 2013 at 5:20 pm said:

    Jede junge Partei läuft Gefahr, von Spinnern und Extremisten gekapert zu werden. Dazu muß man sich nur einmal anschauen, wie schnell die Piraten auf Landesebene links von der Linken eingeparkt wurden.
    Ich finde es deshalb durchaus verständlich, daß der Bundesvorstand erstmal seine Vorstellungen von der Grundausrichtung der Partei durchboxt, um ein Rechtsausscheren durch Wirrköpfe zu verhindern.
    Das wird sicher noch sehr viel Lärm geben – Parteiausschlüsse und -austritte. Dieses Aussieben ist nowendig, sonst wird die AfD nach rechtsaußen in die Position einer neuen REP gedrängt und scheitert. Aber über die Zeit könnte sich auf diese Weise ein stabiler quasikultureller Rahmen für eine Partei der Mitte etablieren, so das klar ist, wer dazu gehört und wer nicht.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

Post Navigation